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Gottesfurcht (Taqwa)

02. Dezember 2022

8. Dschumada l-ula 1444

Verehrte Muslime,

heute sprechen wir über über die Gottesfurcht. Vergehen werden nach weltlichem Recht geahndet. Gute Taten hingegen werden belohnt. Einerseits fürchtet der Mensch für seine Fehler bestraft zu werden, andererseits hofft er auf die Belohnung seiner guten Taten. Dies ist ein natürlicher Zustand der weltlichen Ordnung und eine göttliche Bestimmung. Es sind Hoffnung und Furcht, die das Gleichgewicht des Lebens in ihrer Bahn halten. Ein Mensch, der sich vor nichts fürchtet, tendiert, überheblich,  agressiv und enthemmt zu sein. Einer, der sich vor allem fürchtet, neigt dazu, depressiv zu sein.

Diese Tatsache, die für das begrenzte irdische Leben Gültigkeit hat, ist auch im Hinblick auf das ewige Leben im Jenseits gültig. Allah Ta’ala hat uns aus dem Nichts erschaffen. Wir sind nicht einmal in der Lage, Seinen mit materiellen Gütern unmessbaren Gaben wie Auge, Ohr, Verstand, Vernunft und Sprache, mit denen Er uns ausgestattet hat, gerecht zu werden.

Die Hoffnung auf die von Allah Ta’ala verheißene Dschennet und die Furcht vor dem Dschehennem, werden im diesseitigen und jenseitigen Leben zur Glückseligkeit führen. Sollten diejenigen, die sich vor weltlichen Gesetzen fürchten, nicht auch die Gerechtigkeit Allahs fürchten?

Ein Begriff für Gottesfurcht ist auch Taqwa. Allah Ta’ala spricht im Kur’an Kerim Folgendes: „Wahrlich, der Angesehenste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Wahrlich, Allah ist Allwissend und Allkundig.” (Sure al-Hudschurat, 49:13)

Allah Ta’ala lehrt uns in Seiner Ansprache an unseren Propheten (s.a.w.) in dessen Person wie folgt zu handeln: „Sprich: „Wahrlich, ich fürchte die Strafe eines gewaltigen Tages, sollte ich mich gegenüber meinem Herrn auflehnen.” (Sure al-An’am, 6:15) Die Gottesfurcht ist eine erhabene Empfindung. Sie ist eine Mischung aus Hoffnung und Furcht und verleiht dem Menschen inneren Frieden.

In einem anderen Ayet Kerime werden die gottesfürchtigen Gläubigen folgendermaßen gelobt: „Ihre (Körper)seiten entfernen sich von den Betten und Sie rufen ihren Herrn in Furcht und Begehren an und spenden von dem, was wir Ihnen gegeben haben.” (Sure as-Sadschda, 32:16)

Menschen, die diese Ehrfurcht in ihren Herzen tragen, werden in der Achiret (Jenseits) ohne Furcht sein. Diese Tatsache wird mit der folgenden Ayet Kerime deutlich: „Wahrlich, diejenigen, die sagen: „Unser Herr ist Allah.” und danach aufrichtig handeln, werden keine Furcht haben und werden auch nicht traurig sein.” (Sure al-Ahqaf, 46:13) Die Auswirkungen der Gottesfurcht auf Achiret wird in einem Hadis Scherif wie folgt erklärt: „Das (Höllen)feuer wird (den Besitzer) eines der beiden Augen nicht berühren: ein Auge, das aus Ehrfurcht vor Allah weint und ein Auge, das während der Nacht auf dem Weg Gottes wacht.” (Tirmizi, Hadisnr. 1639)

Abu l-Lays as-Samarqandi sagte: „Die Gottesfurcht äußert sich in sieben Dingen:

Erstens: Sie offenbart sich in der Zunge, indem jemand seine Zunge von Lügen, Nachrede, Geschwätz fernhält und sie mit Allah Ta’alas Gedenken, Rezitation des Kur’ans und der Erörterung der Wissenschaft beschäftigt.

Zweitens: Man sollte in der Sache des Magens vorsichtig sein. Man sollte nur Gutes und Erlaubtes in seinen Magen durchlassen und vom Erlaubten nur soviel essen wie nötig.

Drittens: Man sollte in der Sache des Auges gottesfürchtig sein. Man sollte Verbotenes nicht ansehen und auf die Erde nicht mit dem Auge der Begierde blicken. Der Blick sollte stets auf „Lehren ziehen” gerichtet sein.

Viertens: Man sollte in der Sache der Hand vorsichtig sein. Man sollte seine Hand nicht nach Verbotenem ausstrecken, sondern nach dem, was mit den Geboten Allah Ta’alas vereinbar ist.

Fünfstens: Man sollte auf seine Füße achten und nicht die Wege des Aufbegehrens gegen Allah beschreiten.

Sechstens: Die Achtsamkeit in der Herzensangelegenheit. Man sollte Feindseligkeit, Hass und Neid gegenüber den Glaubensgeschwistern in seinem Herzen tilgen und Beratschlagung und Fürsorge gegenüber den Muslimen hineinlassen.

Siebtens:  Man sollte in der Angelenheit der Gebote ehrfürchtig sein und sollte sie nur um Allahs Wohgefallen erfüllen. Man sollte Augendienerei und Heuchelei meiden.

Für diejenigen, die in diesem Sinne die Gottesfurcht verstehen und danach handeln, gibt es ein frohe Botschaft von Allah Ta’ala, mit der ich meine Hutbe beenden möchte: „Wer aber den Stand seines Herrn fürchtet und die Triebseele von (böser) Neigung abhält, so ist gewiß die Dschennet die Heimstätte.”